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Sonntag, August 9, 2020
Ratgeber Den eigenen Laden eröffnen - so klappt es mit...

Den eigenen Laden eröffnen – so klappt es mit der Selbstständigkeit

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Sein eigener Herr zu sein – das ist der Traum zahlreicher Menschen. Und es ist der Grund, warum viele einen eigenen Laden eröffnen. Vor der Erfüllung dieses Wunsches nach Eigenständigkeit liegen allerdings einige Hürden, die es zu überwinden gilt. Damit die Ladeneröffnung aber erfolgreich wird, sind einige Punkte zu beachten.

► Diese Hürden haben schon Millionen Menschen überwunden, man muss nur wissen, wo sie sind und wie man darüber kommt. Bevor man an die eigentliche Sortiments- und Finanzplanung geht, steht das Informieren über rechtliche Grundlagen und Verordnungen an erster Stelle. 

Verordnungen und Gesetze

Geschäftsrichtlinien legen oft die jeweiligen Regierungen des Bundeslandes fest. Hier sollte man sich im Vorfeld schlaumachen. Hinzu kommen das Wettbewerbsrecht, sowie, falls man Lebensmittel oder ähnliches verkaufen möchte, das Lebensmittelschutzgesetz. Im Rahmen des Verbraucherschutzes sollte man sich auch mit der Preisabgabenverordnung auseinandersetzen. 

► Ehe man den Vertrag für ein Ladenlokal unterzeichnet, ist es ratsam mit dem Bauamt die Räumlichkeiten zu begehen. So kann man im Vorfeld bereits erkennen, ob alles passt und vermindert die Wahrscheinlichkeit, später durch versteckte Baumängel Zusatzkosten bezahlen zu müssen.

Administrative Aufgaben für den eigenen Laden

Jeder gute Einzelhändler steht voller Herzblut hinter dem eigenen Laden und liebt den damit verbundenen Kontakt mit seinen Kunden. Als Chef sollte man aber wissen, dass man auch administrative Aufgaben zu erfüllen hat. Dazu gehören der Wareneinkauf, die Buchführung oder auch die Steuererklärung. Kurse und Sachbücher zu den Themen erleichtern vieles. Externe Experten wie Buchhalter oder Steuerberater können ebenfalls Hilfe leisten. 

Der Businessplan und seine wichtigsten Schritte

Ein detaillierter Businessplan, den man nach dessen Zustandekommen einfach Schritt für Schritt abarbeiten kann, ist Gold wert und vermeidet Fehler in der Phase der Planung und Realisierung zum eigenen Geschäft. Enthalten sollte dieser unter anderem die Finanzierung und die Grundlagen des Geschäftsmodell. Dazu gehört auch die Kalkulation der Ware und eine Umsatz- und Ertragsplanung

Angebot offline und online planen

► Nicht wenige sehen allein auf Onlineplattformen die Zukunft des Einzelhandels. Dabei vergisst man leicht, dass der persönliche Kontakt, die Beratung und das Einkaufserlebnis wichtige Erfolgsfaktoren sind. Aber ohne online wird es trotzdem schwer. Man sollte im besten Fall beide Welten kombinieren.

Dies muss für stationäre Händler nicht zwingend ein zusätzlicher Online-Shop sein, aber eine Webseite mit Informationen über das Sortiment, die Öffnungszeiten und Aktionen führt viele Menschen in den Laden. OmniChannel ist in aller Munde. Online-Marketing wie Google Ads, Social Media-Marketing, Bannerwerbung und die Optimierung der Texte der eigenen Webseite zu relevanten SEO-Texten sollten dabei immer mitbedacht werden. 

Kundenaffines Alleinstellungsmerkmal

► Warum sollte sich ein Kunde dazu entschließen, in einen Laden zu gehen? Liegt die Antwort im Sortiment, in der persönlichen Beratung, der Nähe zum Wohnort, in einem besonderen Einkaufserlebnis oder in einem anderen, zielgruppenaffinen Alleinstellungsmerkmal?

Einzelhandel Selbstständigkeit
Selbstständigkeit im Einzelhandel – Bild #530200620 © Neyya – iStock.com

Je klarer den Kunden ist, was sie in einem bestimmten Laden bekommen und sie sonst in keinem anderen erhalten, desto wahrscheinlicher werden sie im Geschäft mit dem Alleinstellungsmerkmal einkaufen. Da es oft schwer ist, dies über ein Produkt oder Sortiment zu erreichen, ist oft die Kombination unterschiedlicher Produkte und Dienstleistungen ein attraktives Alleinstellungsmerkmal für die Zielgruppen. Auch services wie zum Beispiel kostenloses WLAN im Einzelhandel kann zur Kundenbindung beitragen.

Notwendige Ladeneinrichtung

► Sowohl gemietete, wie auch gekaufte Ladenlokalen sollte man nach den eigenen Vorstellungen und den Erwartungen der Kunden ausstatten und einrichten. Ob man als Kfz-Werkstatt eine Hebebühne einbaut, als Friseur mehrere Spiegelwände oder als Boutique eine Mitarbeiterküche benötigt, bedarf es im Vorfeld einer guten Planung und sicheren Finanzierung. Um sicherzugehen, sollte man notwendige Umbau- und Umbaumaßnahmen im Mietvertrag oder Kaufvertrag festhalten

Bauliche Veränderungen mit Vermieter klären

► Sollten die Veränderungen am Mietobjekt über die Ladeneinrichtung hinausgehen, also in baulichen Veränderungen münden, sollten diese im Vorfeld mit dem Vermieter abgeklärt werden. Dieser muss den Umbau ausdrücklich erlauben. Der Zustimmung bedarf es selbst dann, wenn die baulichen Maßnahmen den Wert der Immobilie steigern

Welche Produkte zu welchen Preisen?

► Schon im Vorfeld sollte man sich Gedanken über die Produkte machen, die man anbieten will. Dabei spielt selbstverständlich sowohl der Ein- wie auch der Verkaufspreis eine Rolle. Je kleiner ein Laden und je geringer die Abnahmemenge ist, desto geringer fallen in der Regel die Rabatte der Großhändler aus.

Kleine Läden haben dafür den Vorteil, sich hochgradig auf besondere Produkte zu angemessenen Preisen spezialisieren zu können. Persönliches Ambiente und individueller Service sind weitere Pluspunkte. 

Welcher Standort passt zum Laden?

Der Standort der Einzelhandelimmobilie kann wesentlich über Erfolg und Misserfolg entscheiden. Wichtige Faktoren, die man bei der Auswahl eines Standorts beachten sollte, sind die Kosten vor Ort, das Einzugsgebiet für potentielle Kundschaft sowie die lokale und regionale Konkurrenzsituation.

► Vorortrecherche ist hierbei im Vorfeld immer wichtig. So sieht man aus erster Hand, was die Kunden kaufen und auch, ob deren Bedürfnisse durch das eigene geplante Sortiment zusätzlich oder auch besser befriedigt werden können. 

Mit welcher Konkurrenz hat man zu rechnen?

Man sollte soviel Informationen über potentielle Mitbewerber am gewählten Standort wie möglich sammeln. Wenn ein Laden mit ähnlichen Produkten schon da ist, heißt dies nicht zwingend, dass ein Verdrängungswettbewerb entbrennen muss.

► Selbst zwei Supermärkte können in unmittelbarer Nachbarschaft wirtschaftlich gesund überleben, wenn sie sich zum Beispiel in anderen Preissegmenten bewegen. Konkurrenz belebt nicht nur das Geschäft, sie kann auch zu Synergieeffekten führen. Ein Laden befruchtet den anderen und umgekehrt. 

Marketingmöglichkeiten 

► Wer nicht wirbt, der stirbt – so heißt es zumindest. Man kann den besten Laden mit dem aufmerksamsten Personal und dem tollsten Alleinstellungsmerkmal haben, wenn niemand davon weiß, kommt auch kein Kunde. Daher sollte man sich nicht nur über den lokalen und regionalen Anzeigenmarkt informieren.

Auch die Möglichkeiten, ob man vor dem eigenen Laden A-Aufsteller bzw. Kundenstopper oder Flaggen sowie Poster oder gar Wühltische aufstellen darf, sollten überprüft werden. Selbstverständlich kann man auch über Social-Media-Kanäle geografisch punktgenau werben. 

Welche Rechtsform passt zum Laden?

► Für welche Rechtsform man sich entscheidet, hat direkte Auswirkungen auf die Kosten der Gründung sowie auf die Haftung. Man sollte  sich im Vorfeld entscheidet, ob man privat haften will und mit wie viel Kapital man arbeiten kann?

Mit dem privaten Vermögen haften Gründer von zum Beispiel GbRs und OHGs. Nicht privat haften die Gründer von zum Beispiel GmbHs und UGs. GmbHs müssen dafür ein Mindeststammkapital von 25.000 Euro nachweisen können, während UGs einen Teil des Gewinns als Rücklage benötigen. 

Mit welchen Kosten hat man zu rechnen?

► Im laufenden Betrieb muss man natürlich auch mit weiteren fixen und variablen Kosten rechnen. Die wichtigsten hierbei sind die Ladenmiete, die Personalkosten, die laufenden Einrichtungskosten, die Versicherungen und der Warenzukauf. Einmalige Kosten kommen durch die Gewerbeanmeldung sowie durch die Kosten für den Eintrag ins Handelsregister und die notwendigen Notargebühren hinzu. 

Finanzmittel für den Laden

► Die finanziellen Mittel für die Neugründung eines Ladens aus der eigenen Tasche bezahlen zu können, macht noch ein Stückchen mehr unabhängig. Da dies aber vielfach nicht möglich ist, sind Banken und andere Investoren mögliche Anlaufstationen.

Für diese sind ein gut ausgearbeiteter Business- sowie ein Finanzierungsplan die wichtigsten Instrumente, um das Vorhaben einordnen und absegnen zu können. Banken fordern zudem meist auch einen Mindestanteil an Eigenkapital. Auch Förderungen durch die öffentliche Hand können bei der Finanzierung helfen. 

Abgaben und Steuern für den eigenen Laden

► Beachten Sie auch Abgaben und Steuern die sich auf den Umsatz beziehen. Wie und in welcher Höhe man Umsatz-, Einkommens-, Körperschafts- und/oder Gewerbesteuer zu entrichten hat, hat oftmals mit der gewählten Rechtsform zu tun.

Um hier kein böses Erwachen zu erleben, hilft es einen Steuerberater zu beauftragen. Auch hat man so diese komplizierten Sachverhalte aus dem Sinn und kann sich wieder dem eigentlichen Geschäft zuwenden. 

Versicherungen für den Laden

► Versicherungen sind Sicherheitsnetze, auch für den eigenen Laden. Welche man davon abschließen möchte, hängt in der Regel von einer Kosten-Nutzen-Rechnung ab. Zu empfehlen sind eine Betriebshaftpflicht-, eine Geschäfts- sowie eine Rechtsschutzversicherung

Übernahme eines bestehenden Ladens

► Im Gegensatz dazu, einen Laden sozusagen „aus dem Nichts“ aufzubauen, kann man sich auch dafür entscheiden, einen laufenden zu übernehmen. Viele Ladenbesitzer suchen zum Beispiel aus Altersgründen einen Nachfolger, der ihnen das Geschäft abkauft.

Der Vorteil, hier hat man vielfach einen guten Kundenstamm und einen bereits etablierten und eingespielten Arbeitsablauf den man übernehmen oder weiter optimieren kann.

Franchisenehmer 

► Auf bereits vorgedachten und erprobten, damit weniger risikobehafteten Pfaden wandelt man, wenn man sich als Franchise-Nehmer selbstständig macht. Dieses Weniger an Risiko muss man in der Regel allerdings auch mit Einbußen in puncto Rentabilität und Selbstständigkeit bezahlen, da der Franchise-Geber zum Beispiel bei der Ladenausstattung und dem Sortiment viel mitzubestimmen hat. 

Fazit

► Der Aufbau einer eigenen Existenz durch die Gründung eines eigenen Geschäfts ist für viele Menschen ein Abenteuer. Um langfristig ein erfolgreiches Geschäft zu betreiben, hilft es sich an einigen der hier vorgestellten Punkte als Richtschnur zu orientieren.

Dies gilt sowohl für einen kleinen, gut sortierten Laden mit ländlichem Flair, sowie ebenso für einen urbanen und hippen Shop in der Großstadt. Abschließend ein Tipp – je mehr Zeit in eine detaillierte Planung gesteckt wird und je mehr man auf erfahrene Experten hört, desto weniger muss während des Regelbetriebs nachjustiert und nachgearbeitet werden

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Philipp Hartmann
Philipp Hartmann
Seine Kenntnisse in den Bereichen Marketing und Vertrieb hat Philipp Hartmann, der an der St. Galler Bussiness School seinen Diplomstudiengang in Marketing und Betriebswirtschaft abgeschlossen hat, vor allem durch die insgesamt über 16 jährige Erfahrung als Marketingleiter und Key Account Manager in der Möbelindustrie und im Ladenbau erworben. Seine Leidenschaft für alle Themen rund um den Retail ist ungebrochen und fasziniert ihn jeden Tag aufs Neue. Für storefitting.com schreibt Philipp Hartmann regelmäßig zu den Themen Ladenbau, Messebau, Retail Marketing und Retail Technology.

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