Der Einfluss von “New Media” auf Retail Design

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Bild und Copyright: Julia Greven Trendexpertin und Markenberaterin

TrendUpdate Retail von Julia Greven

In unserer globalisierten und vernetzten Welt ist es noch wichtiger geworden, kontinuierlich auch über den Tellerrand der eigenen Branche hinauszuschauen.

einem folgendem Investitionsdruck nachgeben zu müssen, kann ebenfalls kostspielig werden

Nur so lassen sich Entwicklungen rechtzeitig wahrnehmen und es lässt sich prüfen, ob diese möglicherweise in den eigenen Geschäftsbereich hineinwirken, diesen gar disruptieren könnten. Die Geschwindigkeit, mit der Veränderungen stattfinden, hat rasant zugenommen.  

Die Wahrscheinlichkeit, Trends zur eigenen Geschäftsentwicklung zu verpassen, ist groß. Je länger und häufiger Unternehmen Innovationszyklen auslassen, desto höher sind die Opportunitätskosten.

Irgendwann einem folgendem Investitionsdruck nachgeben zu müssen, kann ebenfalls kostspielig werden, manchmal unbezahlbar. Zumal Anforderungen und Erwartungen an die Qualität und Perfektion neuer Produkte und Technologien ebenfalls steigen, je länger deren Entstehungszeitpunkt zurückliegt. 

Shop-Architektur und Retail Design

Schauen wir auf Shop-Architektur und Retail Design. Auch diese unterliegen dem Einfluss der rasant voranschreitenden Digitalisierung. Die Handelslandschaft hat sich vor allem durch den ECommerce enorm gewandelt und diversifiziert. Mittlerweile gibt es weit mehr digitale Kanäle, auf denen Handel betrieben wird, als stationäre Formen.

Multichannel + entertaining Quelle (c) LiveShopping4U.com
Copyright & Quelle: LiveShopping4U.com

Ob Onlineshop, Marktplätze, Vermittlungsplattformen, Social Media Shopping, Messenger Commerce, Computerspiele oder das gerade wachsende Metaverse. Und alle Kanäle greifen zunehmend ineinander, müssen verbunden und orchestriert werden. Das hat auch Einfluss auf Architektur und Konzeption der Stationär-Geschäfte. Sie sind nur ein Part im „Multichannel“-Orchester.

Showrooms und Festivals als Erlebnisanspruch

Eine weitere große Wirkung auf die Gestaltungsanforderung der Showrooms haben veränderte, stark gestiegene Erlebnisansprüche. Festivals mit fantastischen audiovisuellen Bühnenshows wie beispielsweise bei “Tomorrowland”.

die meisten herkömmlichen Einzelhandelsgeschäfte wirken im Vergleich dazu wie versteinerte Relikte

Phantasievoll kuratierte Events, wie die seit einigen Jahren weltweit stattfindenden Lichtkunst-Wanderausstellungen, bieten multisensuale, immersive Erlebnisse mit Großprojektionen und Virtual Reality Integrationen. Die meisten herkömmlichen Einzelhandelsgeschäfte wirken im Vergleich dazu wie versteinerte Relikte aus früheren Erdzeitaltern.

Quelle und Copyright: 2021 ©TOMORROWLAND, Belgien

Raumkonzepte für „Storytelling“ und „Community Building“

Es braucht hier deutlich bessere Raumkonzepte für Erlebnis, „Storytelling“ und „Community Building“. Denn Unternehmen müssen heute weit mehr verkaufen als Produkte.

Im zunehmenden Wettbewerb um die Aufmerksamkeit der Kunden braucht es auffällige Inszenierungen sowie tatsächliche „Berührungspunkte“, um bestmögliche Kundenbeziehungen aufbauen und halten zu können. Sonst werden Anbieter im wahrsten Sinne des Wortes „weggewischt“ (= „swipen“ im Smartphone). 

Auf geändertes Kundenverhalten und Gewohnheiten richtig reagieren

In der Architektur berücksichtigt werden sollte auch das geänderte Kundenverhalten und deren veränderte Gewohnheiten. Die meisten Kunden sind heute durch ihre mobilen Smartphones technisch besser ausgerüstet als die Mehrheit der Geschäfte und ihrer Verkäufer. Die digitale Ausstattung der Shops samt Digital Signage Anschlüssen, Handyladesäulen, Lan oder WiFi kann erfolgsentscheidend sein.

Was die Veränderung der Ansprüche und Sehgewohnheiten bedeutet

Perfekte Innenarchitektur-Renderings und Visualisierungen halten Einzug im Bereich der Architekturplanung, Immobilien-Vermarktung und im digitalen Möbel- und Einrichtungshandel. So übertrifft die virtuelle Abbildung immer häufiger die tatsächlich realistischen Möglichkeiten in der analogen Welt.

Copyright & Quelle: LiveShopping4U.com
Copyright & Quelle: LiveShopping4U.com

Ob wir wollen oder nicht, Ansprüche und Sehgewohnheiten werden also definitiv dahingehend beeinflusst und verändert, dass die Anforderungen an Gestaltung und Kreativität in der realen Welt ebenfalls zunehmen.

Metaverse Auswirkungen auf den Retail

Das Ganze wird durch die Entwicklung des Metaverse noch weiter vorangetrieben werden. Hier entstehen komplette digitale Parallelwelten samt Stadtentwicklung, Landschaftsgestaltung, Architektur und Design, welche so in der analogen Welt (noch) nicht umgesetzt werden können. 

Nahezu jedes neuere Smartphone besitzt heute schon eine Augmented Reality Schnittstelle.

Nahezu jedes neuere Smartphone besitzt heute schon eine Augmented Reality Schnittstelle. Dem hybriden Erlebnis von analoger und digitaler Welt steht also theoretisch nichts mehr im Weg. Praktisch wird das vielerorts seitens der Planer und Gestalter überhaupt noch nicht bedacht.

Digitale Chancen für die Architektur

Dabei würde die Berücksichtigung dieser digitalen Erweiterung unserer analogen Räume und Dinge viele Kunden bei Ihrer Vorstellung unterstützen.

Gerade im Bereich der Raumgestaltung und Architektur, in dem viele Kunden Schwierigkeiten haben, Planungen richtig zu interpretieren und sich als dreidimensionale Räume vorzustellen, wäre dies hilfreich.

Insbesondere in Store Konzeption und Design kann die Integration phygitaler Welten einzigartige Einkaufserlebnisse für KundInnen bieten sowie Produkte näherbringen und verständlicher machen.

Einfluss auf Point of Sale / Point of Experience

der Store sollte als “Content Creation Studio” genutzt werden können.

Konzeption und Gestaltung des “Point of Sale” bzw. “Point of Experience” haben nicht nur positiven Einfluss auf die Kundenerfahrung, sondern auch auf die Rolle der Kunden als Markenbotschafter und Multiplikatoren. Gerade jüngere Kunden erwarten von ihrer Marke die Möglichkeit zur Teilhabe. Bestenfalls bieten Brandstores ihren Kunden also eine Bühne zur Selbstdarstellung mit Ihrer „Love-Brand“, Stichwort: Selfie- und Instagrammable Gestaltung. 

Copyright & Quelle: Kati Conrads, LiveShopping4U

Und auch für die Händler selbst sollte ihr Geschäft als Show-Bühne nutzbar gemacht werden. Ob außerhalb der regulären Laden-Öffnungszeiten, zu speziellen Anlässen, wie z.B. Ankunft von Neuware oder anlässlich von (hoffentlich nicht wiederkehrenden) Lockdowns, der Store sollte als “Content Creation Studio” genutzt werden können. Das böte Einzelhändlern die Möglichkeit ihre stationäre Fläche digital zu erweitern und zum Beispiel als LiveStreamshopping-Studio zu nutzen. Ein Großer Vorteil gegenüber reinen online Händlern, den Retail Designer für ihre Kunden im Blick haben sollten.

Fazit

Es führt jedenfalls kein Weg daran vorbei: Die Zukunft des Handels ist Multichannel, social und entertaining. Dazu müssen Kreative mehrerer Bereiche zusammenarbeiten, vom Marketingstrategen, dem Brand und Content Manager über Retail Designer, Ladenbauer bis hin zum Visual Merchandiser.

Nur zusammen können sie die Marken ihrer Kunden kanalübergreifend erlebbar machen und das stationäre Geschäft zu einem wertvollen „Touchpoint“ für die Kunden-Community gestalten.