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Innovative und nachhaltige Materialien für den Ladenbau

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Dekoelemente aus nachhaltig produziertem Trester - Bild und Copyright: Katharina Hölz, tresta Design

In einer Welt der sich verknappenden Ressourcen ist es heute schon wichtig, die vorhandenen so gut wie möglich zu nutzen. Dabei spielt auch im Einzelhandel die Wiederverwertung eine entscheidende Rolle.

Findige Köpfe haben sich zum Beispiel Wände aus altem Kaffee oder individuell gebrandete Papierfliesen ausgedacht. Dabei erweisen sich diese innovativen Materialien speziell im Ladenbau oft als gute Alternative und vor allem individuelle Lösung im Vergleich zu den traditionellen Werkstoffen. 

► Viele der durchaus radikal neu verwendeten Ladenbaumaterialien sind in der Lage, verkaufsfördernd zu wirken. Sie sprechen zum Beispiel auf angenehme Art und Weise alle fünf Sinne an. Dosiert man die sinnlichen Eindrücke und stimmt sie aufeinander ab, steigt dadurch nachgewiesenermaßen der Umsatz und Ertrag für Einzelhändler. 

Bioakustik aus Berlin und New York – Baumaterial der Zukunft

► Deutschlands Hauptstadt ist eine Hochburg für Innovationen. Hier entwickelte das „Studio Flaer“ ein aus rein natürlichen Materialien gewonnenes Akustikelement. Die schallempfindlichen Platten werden aus Maulbeeren- sowie Bananenfasern produziert. Die so entstandenen Platten werden in Bambusrahmen gespannt.

So können die Platten zum Beispiel formschön Schall dämmen oder diesen durchaus auch verstärken. Als Namen für das Projekt wählte das Designduo hinter der Erfindung „Indigo“, was auch ein Hinweis auf die Farbe der Platten ist. 

Vertrieben vom niederländischen Designer Eric Klarenbeek, aber entwickelt vom US-Unternehmen Ecovative, bestehen deren spezielle Akustikpaneele aus kompostierbarem Pilzschaum. Gewachsen in einem feinen Myzelnetzwerk (Pilzfäden), wird dieses Material zum Beispiel auch als chemiefreies Bindemittel verwendet.

► Den binnen drei Tagen gewachsenen Pilzstrukturen wird das Wasser entzogen. Somit stirbt der Pilz ab und das so entstehende Gewebe ähnelt in seinen Eigenschaften Styropor. Anders als dieses kann das Myzelnetzwerk allerdings rückstandsfrei kompostiert werden. Ein großer Vorteil des Materials ist auch, dass es nicht nur hervorragend dämmt, sondern zudem sehr schwer entflammbar ist

Wandpaneele aus Kaffeesatz 

► Rohstoffe für den Ladenbau kann man auch aus den Resten der Lebensmittelindustrie gewinnen. Begehrt ist dabei zum Beispiel der Kaffeesatz, der in Bäckereien, Cafés oder anderen gastronomischen Betrieben anfällt. Dieser wird gesammelt und unter anderem zu Fliesen, Lampenschirmen oder auch Wandpaneelen verarbeitet. 

Eine der innovativsten Firmen auf diesem Gebiet ist das portugiesische Unternehmen „Pladec“. In deren Betriebshallen werden Paneele hergestellt, die zu 70 % aus Kaffeesatz bestehen. Das Material kann nach der Verwendung bedenkenlos verbrannt werden, ohne dass man chemische Luftverunreinigungen fürchten müsste.

► Diese Paneele werden nicht nur durch den Nachhaltigkeitsgedanken ausgezeichnet, sondern auch durch den mehr als angenehmen Geruch. Das Unternehmen verwendet neben Kaffeesatz auch Calendula, Eukalyptus sowie Korkreste für die Paneelproduktion. 

Wände und Lampen aus dem Wein-Reststoff Trester

Dass innovative Lösungen für den Ladenbau auch aus einem so traditionellen Handwerk wie der Weinproduktion kommen können, beweist die Designerin Katharina Hölz. Denn die Rheinland-Pfälzerin nutzt hierfür die Reste der lokalen und regionalen Weinproduktion. Diesen Mix aus Stielen, Schalen und Kernen nennt der Önologe (Weinfachmann) Trester. 

Lampendesign aus Trester Bild und Copyright: Katharina Hölz, tresta Design
Lampendesign und Weinkühler aus Trester Bild und Copyright: Katharina Hölz, tresta Design
Nachhaltiges Lampendesign aus Trester Bild und Copyright: Katharina Hölz, tresta Design
Dekoelemente aus nachhaltig produziertem Trester – Bild und Copyright: Katharina Hölz, tresta Design
Wandpaneele aus nachhaltig produziertem Trester – Bild und Copyright: Katharina Hölz, tresta Design

Diese lange Zeit ungenutzte Biomasse verwendet Katharina Hölz zur Produktion besonderer Ladenbauelemente. Durch das Vermischen des Trester mit einem natürlichen Bindemittel entstehen so ganz besondere Wandfliesen, Weinkühler und Lampen. Fachkundige Sommeliers können sogar das Weinanbaugebiet durch den feinen Restgeruch und die Farbgestaltung erkennen. Variationen erlauben ebenso die Verwendung verschiedener Traubensorten. So kann zum Beispiel ein Lampen-Cuvee entstehen.    

Die Individualität der Produkte und die direkte Verbindung mit dem Produkt Wein und im weiteren Sinn Food & Beverage, passt perfekt in eine Gastronomie- oder Ladenbauplanung und bietet jedem Händler die Möglichkeit für ein durchgängiges und authentisches Storytelling. Detaillierte Informationen zu den Trester-Produkten findet man direkt unter www.tresta-design.de

„Natürliches“ Plastikgestein

Natürliches Plastik? Was wie ein Widerspruch klingt, ist dank der exzessiven Verwendung dieses Materials und dem unkontrollierten Entsorgen in die Ozeane keiner mehr. Riesige Müllinseln aus diesem Werkstoff treiben durch die Weltmeere. Im Jahr 2014 haben Geologen an den Stränden Hawaiis ein Gestein entdeckt, das ein Konglomerat aus Vulkangestein, Korallen, Sandkörnern und geschmolzenem Plastik ist. Die Experten nennen es Plastikgestein oder Plastiglomerate. 

Die Kölnerin Enis Akiev nutzt dieses Material für ihre „Plastic Stone Tiles“. So entstehen unter anderem sehr langlebige sowie farbenfrohe Fliesen. Für den Ladenbau sind die „Plastic Stone Tiles“ ein toll anzusehendes Baumaterial, und zusätzlich ein sichtbarer Beitrag, nachhaltig den Plastikmüll aus unseren Weltmeeren zu fischen. Für Werbemaßnahmen im Rahmen eines Storytelling-Ansatzes ergeben sich hier zahlreiche Ansatzpunkte. 

Individualisierbare Papierfliesen 

Ob für kurzfristige Pop-Up-Stores oder in regulären stationären Läden – umweltfreundliche, aus Papier hergestellte Bodenfliesen können überall als Hingucker für frischen Wind sorgen. Die ressourcenschonenden Bodenbeläge aus dem Haus „Print your own floor“ werden aus einem ähnlichen Material wie Wellpappe hergestellt. Bei der Produktion wird recyceltes Papier verwendet. 

Der Werkstoff wird in der Regel immer einheitlich gehalten. Individualisierbar über das Druckverfahren des Unternehmens ist die Oberflächengestaltung. Hier können Ladenbesitzer ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Tolle Motive, aber auch Kundenhinweise oder ein Kundenleitsystem können auf die nachhaltig produzierten Papierfliesen gedruckt werden. 

Furnierholz in jeder beliebigen Form

Aus dem Land der Saunas kommt eine Erfindung, die sich über thermische Veränderungen binnen kürzester Zeit definiert. Die finnische Firma UPM Grada hat eine Furniersperrholzplatte in ihrem Sortiment, die sich innerhalb von lediglich 60 Sekunden durch die kombinierte Ausübung von hoher Temperatur und ebensolchem Druck in viele verschiedene Formen bringen lässt. 

So entstand im Rahmen einer Kooperation mit der Universität der Künste in Berlin eine große Bandbreite an Möglichkeiten. Die Designstudenten stellten dabei unterschiedliche Formen für diverse Verwendungszwecke her. Auch im Ladenbau können solche thermoplastischen Holzfurnierplatten vielfach Einsatz finden. 

Neuer Baustoff Deton

Neue Läden sowie tragende Zwischenwände können aktuell direkt im 3D-Druckverfahren hergestellt werden. Ein innovatives Material dafür kommt gerade auf den Markt und nennt sich Deton. Der Anteil an Zement ist im Deton geringer als im Beton. Ersetzt wird er durch pflanzliche Werkstoffe sowie durch Schaumglas. Diese Maßnahme verringert das Gewicht, erhöht die Dämmeigenschaften und macht Deton recycelbar. 

Mit herkömmlichen Bauverfahren benötigt man durchschnittlich vier bis sechs Wochen, um einen neuen Laden zu errichten. Mit Deton und dem 3D-Druckverfahren steht der Bau binnen 48 Stunden. Dies erschafft Einsparungspotential in den Bereichen Planung, Lohnkosten und im Transportwesen. Experten gehen davon aus, dass durch den Einsatz von Deton Bauarbeiten 40 % kosteneffizienter umgesetzt werden können.  

Natürlich bewegliche Materialien

Nicht nur der Ablauf auf Baustellen für Läden und Geschäfte wird intelligenter, vielfach trifft dies auch auf die verwendeten Materialien zu. Dabei wird nicht auf bisher verwendete Komponenten noch eines draufgesetzt, sondern sogar zurückgeschraubt. 

Dabei entstand aktuell ein Paradigmenwechsel. Anstatt den Werkstoff in eine Form zu pressen, wird darauf geachtet, sich der natürlichen Bewegung des Stoffs anzupassen und daraus einen viel höheren Nutzen zu ziehen. 

Beton als Energiekraftwerk

Bisher war Beton „nur“ als stabiler und robuster Baustoff bekannt. Forscher fanden heraus, dass man durch eine spezielle Handhabung Betonwände auch zur Gewinnung von Energie nutzen kann. Sie haben eine Methode entwickelt, wie man eine Betonwand in Solarzellen verwandeln kann. 

Dabei wird eine Wand aus leitfähigem Beton hochgezogen. Auf dieser wird eine spezielle Flüssigkeit aufgetragen, die als Farbstoffsolarzelle fungiert. Aufgetragen wird diese Spezialfarbe über einen modernen Druck-Roboter. Dieser ist mit Sensoren ausgestattet, welche die perfekten Stellen für einen idealen Lichteinfall ermitteln. Aufwändige Solarmodule könnten so bald der Geschichte angehören. So können Läden und Geschäfte schon in der Bauphase dafür sorgen, dass man sie später mit selbstproduziertem Strom kostengünstig versorgen kann. 

Fazit

Im Ladenbau kann man schon heute auf viele innovative Materialien setzen. Ein Gespräch mit dem Ladenbauer kann Einzelhändler nicht nur Geld sparen, sondern durch moderne Ladenbaumaterialien können auch verkaufsfördernde Sinneseindrücke in die Verkaufsflächen eingearbeitet werden.

Häufig gestellte Fragen zu innovativen und nachhaltige Materialien im Ladenbau

Welche nachhaltigen Materialien gibt es für den Ladenbau Einzelhandel?

Die Auswahl für nachhaltig produzierte Materialien, die im Ladenbau eingesetzt werden können, wächst weiterhin stark. So gibt es durch spezielle Produktionsverfahren bereits Platten für den Innenausbau, die aus natürlichen Abfällen bei der Verarbeitung von Weinreben entstehen. Aber auch Material aus recycelten Materialien wie zum Beispiel Ocean Plastic oder aus nachwachsenden Rohstoffen werden bereits im Ladenbau verarbeitet.

Woher bekomme ich nachhaltige Materialien für den Ladenbau und Innenausbau?

Wenn Ihnen die Verarbeitung von nachhaltigen Materialien für Ihr bevorstehendes Projekt im Ladenbau wichtig ist, sollten Sie Ihren Ladenbauer direkt darauf ansprechen und bereits bei der Konzeption auf den Einsatz von nachhaltigen Rohstoffen oder auch umweltfreundlich produzierten Materialien bestehen. Auch können Sie selbst durch eine Internetrecherche Quellen finden und sich über innovative Materialien als nachhaltige Alternative zu herkömmlichen Baustoffen informieren.

Sind nachhaltig produzierte Materialien für den Ladenbau immer teurer als konventionelle?

Da es sich bei nachhaltigen Materialien für den Ladenbau noch immer nicht um einen Massenmarkt handelt, müssen Sie aktuell noch mit höheren Preisen rechnen, als wenn Sie das Bauvorhaben mit rein konventionellen Baumaterialien realisieren. Interessant können jedoch Subventionen sein, die zum Beispiel von Instituten wie der KFW-Bank angeboten werden. Fragen Sie Ihren Ladenbauer auch bei der Angebotserstellung konkret nach nachhaltigen Alternativen. So können Sie selbst entscheiden, was Ihnen bestimmte Positionen im Angebot wert sind und beispielsweise einen Teil der Ladenausstattung aus nachhaltigen Materialien realisieren.

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