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Samstag, Juli 4, 2020
Visual Merchandising Der Weg zur „Grünen” Bio Schaufensterpuppen

Der Weg zur „Grünen” Bio Schaufensterpuppen

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Der Verbraucher macht sich noch kaum bewusst, aus welchem Material und unter welchen Bedingungen die Schaufensterfigur gefertigt wird, die ihn zum Kauf der neuen Hose oder des neuen Kleides verführt hat. Es wird jedoch nicht mehr lange dauern, bis auch hierzu vermehrt Fragen auf den Einzelhandel zukommen werden und dieser sich möglicherweise dafür zu rechtfertigen hat. 

Aber wo sind die Lösungen um diesen im Modehandel omnipräsenten Warenträger umweltfreundlicher oder wenigstens umweltverträglicher zu machen? 

Woraus werden Schaufensterpuppen meistens hergestellt?

Seit den 1960er Jahren werden die meisten Figuren weltweit aus glasfaserverstärktem Polyester gefertigt, der zusätzlich mit Harz getränkt wird. Daraus entsteht das Material GFK (glasfaserverstärkter Kunststoff).

Auch wenn dieses Material offiziell als nicht gesundheitsschädlich eingestuft wird und keinen Sondermüll darstellt, ist es biologisch – wenn überhaupt – nur sehr langfristig abbaubar. Die Figuren entstammen meist der Massenproduktion in Fernost, Design und Veredelung erfolgen häufig in Europa.  

Umweltfreundliche Produktion Schaufensterfiguren
Foto: Messe Düsseldorf / ctillmann

Eine gängige Alternative zu GFK ist bei den Figuren der Werkstoff Polypropylen (PP).


Da Polypropylen (PP) ohne für die Gesundheit bedenkliche Weichmacher auskommt, gilt er als weniger gesundheitsschädliche. In der Fertigung kommen aber trotzdem unterschiedliche Chemikalien zum Einsatz. Der Produktionsprozess erlaubt den Firmen mit diesem Material eine deutlich günstigere Preislage. Abstriche müssen jedoch bei den Positionen und der Detailtiefe der Figuren gemacht werden. 

► Hinweis: Auch wenn Kunststoffe in der Regel recycelbar sind, gehören Schaufensterfiguren aus Kunststoff nicht auf die Müllhalde. Das eingesetzte Plastik kann nicht kompostiert werden und bleibt bei falscher Entsorgung sogar Jahrzehnte lang erhalten. 

Wo kommen die meisten Schaufensterfiguren her?

Die Massenproduktion der Mannequins stammt meist aus Fernost. Hauptlieferant ist aktuell noch China. Um gesundheitliche Risiken für die Arbeiter zu minimieren, muss bei der Produktion von Figuren mit Glasfaser und Harz Anteilen besondere Vorsicht auf die sachgemäße Handhabung gelegt werden.

Leider sind die Standards bei Filter- und Absaugarbeiten jedoch meist ungenügend und schaden nicht nur den Fabrikarbeitern sondern tragen zudem zu erhöhten Treibhausgasemissionen bei.

Auch die Lieferung nach Europa, die meist auf dem Seeweg mit großen Container-Schiffen erfolgt ist ein negativer Verstärker der gesamten „Ökobilanz” einer Schaufensterpuppe aus diesen Produktionen. 

Gibt es Alternativen im Markt der Schaufensterpuppe?

Dass es auch anders geht, beweisen einige Firmen aus Europa. Hier werden bereits unterschiedliche Ansätze ausprobiert. Neben alternativen Materialien und der Reduzierung von CO2 im Produktionsprozess ist zur Einsparung langer Transportwege auch immer wieder die Verlagerung der Massenproduktion von Asien nach Europa ein großes Thema. 

„Fashion comes and goes, but nature will always remain“

So erreicht der Hersteller Bonaveri aus Italien 2016 mit der Verarbeitung alternativer Rohstoffe bereits einen geringeren CO2-Ausstoß von 26%. Motto: „Fashion comes and goes, but nature will always remain“. 2016 war auch das Jahr, in dem das Unternehmen erstmals eine Bio-Schaufensterpuppe entwickelte und auf den Markt brachte, die zu 72% auf Zuckerrohr basiertem „Bioplastik“ bestand, dem so genannten B Plast®. Zusätzlich wird die Figur nur mit Farben auf Orangenöl- Basis (B Paint®), lackiert.

Die restlichen 28% Rohmaterial bestehen aus Kunststoffen, die aktuell für die Stabilität noch unerlässlich sind. Dennoch bietet die Firma mit dieser Alternative eine nahezu gleichwertige Durabilität und Stabilität zur Voll-Kunststofffigur und kalkuliert gerade einmal 10% Mehrkosten im Vergleich zur herkömmlich produzierten Schaufensterfigur. 

Bei Genesis Mannequins wird laut Inhaber Andreas Gesswein bereits seit vielen Jahren an nachhaltigen Alternativen geforscht. So wurden bereits komplette Figuren aus Naturfasern wie Kokos, Bambus, Jute, Viskose, Flachs und Holzfasern hergestellt und getestet. “Die voll kompostierbare Figur gäbe es bereits – die Preise und die Einschränkungen in der Festigkeit sind jedoch noch nicht marktfähig”, sagt Gesswein.

Wie hoch ist die Lebensdauer einer Schaufensterfigur?

Weniger die Qualität als mehr der modische Wandel gibt hier den Takt vor. Eine Schaufensterfigur, die gut gepflegt wird, kann locker 10 bis 20 Jahre eingesetzt werden. Das bestätigt auch Andreas Gesswein von Genesis Mannequins. 

„Bei sehr aktiven und modebewussten Marken wird eine Figur im Hauptbereich meist nur zwischen drei und fünf Jahre eingesetzt“

Andreas Gesswein, Genesis Mannequins

Hersteller wie Dany Bonami, Inhaber der gleichnamigen Firma aus Belgien, legen in der Produktentwicklung dennoch Wert auf zeitloses Design und damit auch auf die Langlebigkeit ihrer Figuren. Durch die magnetisch wechselbaren Gesichter, muss der Kunde nicht gänzlich auf einen ab und an neuen Look verzichten. 

„Kunden muss die Wichtigkeit von nachhaltigen Figuren erklärt werden“, ist Bonami überzeugt und sieht darin für sich und sein Unternehmen eine wichtige Aufgabe. Dem „grünen Thema“ möchte die Firma daher auch auf der kommenden EuroShop 2020 einen Extra-Bereich auf ihrem Messestand widmen.  

Fazit

Für aktuell noch unersetzlich hält auch Karin Wahl, Visual-Merchandising-Trainerin aus Köln die Schaufensterfiguren im Modehandel. „Erst an der Figur sieht man, wie die Kleidung fällt.“ Mannequins haben daher noch einen festen Platz im Einzelhandel, und die Bemühungen der Hersteller, nachhaltige Lösungen in der Produktion zu realisieren, werden immer deutlicher. Schwierige Rahmenbedingungen, aggressive Preislagen und fehlende Gesetzgebung machen jedoch wenig Hoffnung auf schnelle Lösungen beim Thema Nachhaltigkeit. Erst muss wohl der Druck vom Verbraucher groß genug werden, um in Politik und Wirtschaft entscheidende Lösungen voranzutreiben.

Vielleicht bringt aber auch die EuroShop 2020 in Düsseldorf mit namhaften Herstellern aus aller Welt einen entscheidenden Schritt in die richtige Richtung. 

Philipp Hartmann
Philipp Hartmann
Seine Kenntnisse in den Bereichen Marketing und Vertrieb hat Philipp Hartmann, der an der St. Galler Bussiness School seinen Diplomstudiengang in Marketing und Betriebswirtschaft abgeschlossen hat, vor allem durch die insgesamt über 16 jährige Erfahrung als Marketingleiter und Key Account Manager in der Möbelindustrie und im Ladenbau erworben. Seine Leidenschaft für alle Themen rund um den Retail ist ungebrochen und fasziniert ihn jeden Tag aufs Neue. Für storefitting.com schreibt Philipp Hartmann regelmäßig zu den Themen Ladenbau, Messebau, Retail Marketing und Retail Technology.

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