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Sonntag, Juli 5, 2020
Visual Merchandising Visual Merchandising - als wichtige Disziplin im Retail

Visual Merchandising – als wichtige Disziplin im Retail

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Was alles in den Bereich Visual Merchandising fällt, ist nicht immer klar definiert. Neben den klassischen Aufgaben der Schaufenstergestaltung und der Warenpräsentation geht es bei der wörtlich übersetzten “bildlichen Verkaufsförderung” meist um die gekonnte Inszenierung der Produkte und Dienstleistungen. 

Nutzen Sie die zahllosen Möglichkeiten dieser Präsentationsform 

Dass Kreativität und Qualität der Umsetzung ein weites Feld bieten, sieht man an zahllosen negativen aber auch an etlichen positiven Beispielen im Einzelhandel. Unfair zu behaupten, jeder hätte die gleichen Mittel zur Verfügung, und auch der Fokus auf das Visual-Merchandisng-Konzept ist je nach Branche und Zielgruppe unterschiedlich ausgeprägt. 

Visual Merchandising Schaufensterpuppe
Visual Merchandising – Bild #855011932 © charliemarcos – iStock.com

Eins aber haben alle guten Visual Merchandising-Konzepte gemeinsam: Es geht nur mit echter Leidenschaft zum jeweiligen Produkt.

Was soll Visual Merchandising bewirken?

Meist ist die wichtigste Aufgabe des Visual Merchandising-Konzepts die direkte Umsatzsteigerung. Der Fokus kann dabei klassisch auf saisonaler Ware, auf Angeboten oder Abverkäufen liegen. Dafür sollten Sie sich die generellen Fragen stellen:

  • Welche Produkte möchte ich verkaufen?
  • Was ist ein passendes Thema?
  • Wer ist meine Zielgruppe?
  • Welche Möglichkeiten/Ressourcen stehen zur Verfügung?   

Darüber hinaus ist natürlich auch entscheidend, wie lange die Aktion insgesamt dauern soll, wie authentisch das Konzept zu Ihnen und Ihrem Store passt und welche Flächen Sie zur Verfügung haben. 

Ein weiteres Ziel von Visual Merchandising ist das Brand Building. Hier geht es nicht in erster Linie um neue Produkte oder die direkte Steigerung der Umsätze. Es geht um das Image, das Bild das Sie nach außen abgeben möchten. Stehen Sie für Inspiration und Innovation, werden Ihre Warenbilder anders gestaltet sein als wenn es um Preis und Verfügbarkeit geht.

Die Fragen zur Optimierung Ihres Visual Merchandisings:

  • Was unterstreicht meine Positionierung im Markt?
  • Wie kommuniziere ich meine Werte, für die ich als Unternehmen stehe?
  • Wie kann ich mich von meinen Wettbewerbern unterscheiden?
  • Was erwarten meine Kunden und wie kann ich diese positiv überraschen?

Unterschiedliche Ziele erfordern unterschiedliche Maßnahmen und Personen, die diese perfekt umsetzen können.


Den Kunden verführen – aber wie?

Visual Merchandising Schaufenstergestaltung
Visual Merchandising -Beeindruckende Schaufenstergestaltung passend zum Image
– Bild #629142318 © UliU – iStock.com

Warum gehen die Leute überhaupt noch zum Einkaufen? Lassen wir mal die Dinge des täglichen Bedarfs wie Lebensmittel und Hygieneartikel außen vor. Internet sei Dank, müsste ich, um meinen Bedarf an Kleidung zu decken, das Haus nicht verlassen. Verfügbarkeit, Preistransparenz und sogar Inspiration – online alles in Hülle und Fülle verfügbar. 

Was fehlt? Ein echtes Erlebnis, wahrhaftig, spürbar, voller Überraschungen. Auf der Jagd nach dem perfekten Outfit sind Millionen Menschen bereit, zig Kilometer in Einkaufsstraßen zurückzulegen und auf der vergeblichen Suche nach Parkplätzen Unsummen an Strafzetteln oder Parkgebühren zu bezahlen. 

Also sollten Sie sich überlegen: Wie belohne ich diese Menschen? Welches Erlebnis biete ich in meinem Store, damit die Menschen auch in Zukunft noch diese “Strapazen” auf sich nehmen. 

Ein bisschen überzeichnet? Ja – aber im Kern ist es genau das, wenn wir von den immer gleichen Phrasen um das viel zitierte Einkaufserlebnis sprechen. Es geht im stationären Einzelhandel eben nicht mehr nur um die Ware. Es geht um eine Inspiration die mit allen Sinnen erlebbar sein sollte, die Begehrlichkeit entfacht, träumen lässt und einen bleibenden Eindruck hinterlässt. 

Stellen Sie sich die Frage:

  • Habe ich neben meiner Marke auch Flächen für die emotionale Ansprache eingeplant?
  • Welche Mittel will ich zur Emotionalisierung einsetzen und was passt zu mir und meinen Kunden?
  • Wie häufig sollte ich diese Flächen neu gestalten und welches Budget stelle ich dafür zur Verfügung?

Das Sie dies vermutlich nicht mit sauber gestapelten Pullover-Bergen und Ärmel-Paraden hinbekommen ist naheliegend. 

Von Musterbrechern und kuratiertem Konsum

Gehen Sie nicht auf Nummer sicher, sondern trauen Sie sich mit Ihrem Visual Merchandising an Grenzen und haben Sie keine Angst davor, zu polarisieren. Ein “sauberer” Laden ist zwar gut, aber auch langweilig und bietet den Kunden meist wenig Inspiration, wenig Neues und kaum überraschende Momente – und damit auch kaum Gründe, wiederzukommen. 

Überlegen Sie, wer Ihre Zielgruppe ist. Wenn Sie beispielsweise casual Männermode anbieten, können Sie als Dekoration ein cooles Herrenfahrrad oder sogar ein Motorrad in Ihren Verkaufsraum bringen. Schaffen Sie etwas Unerwartetes, über das Sie im besten Fall auch mit Ihren Kunden ins Gespräch kommen können. 

Ein zweiter Trend ist das sogenannte “kuratierte Shopping”. Der Ursprung liegt im Überangebot des heutigen Konsums und einer damit verbundene Überforderung der Kunden. Hemden, Hosen, T-Shirts, Pullover in tausenden Farben, Schnitten, Mustern und Materialien stiften Verwirrung und können beim Kunden zu Stress führen. Das Ergebnis ist dann meist Frustration verbunden mit einem Nichtkauf. 

Besonders beim Kombinieren unterschiedlicher Stile und den passenden Accessoires kann das Visual Merchandising für Ihre Kunden eine großartige Orientierung bieten und wertvolle Zusatzverkäufe generieren. Bei der Präsentation muss es nicht immer die klassische Schaufensterpuppe sein. Möglich ist auch die Gestaltung von Wandbildern oder Mittelraumtische. Achten Sie aber darauf, dass Sie den Produkten hierbei auch den nötigen Platz lassen und ein Warenbild präsentieren, das der Kunde singulär betrachten kann und das ihn Inspiriert. Sie können so auch perfekt in die Beratung einsteigen, um Alternativen und weitere Kombinationsmöglichkeiten anzubieten. 

  • Hat mein Sortiment die optimale Breite und Tiefe?
  • Gibt es Trends die ich mit den richtigen Kombinationen aufgreifen und für mich nutzen kann?
  • Wie viel Fläche kann ich für inspirierende Warenbilder nutzen und wo sind diese optimal platziert?

Auch im Store zählt der erste Eindruck 

Es ist ja oft so eine Sache mit dem ersten Eindruck. Das erlebt jeder nicht nur beim Kennenlernen neuer Menschen sondern auch beim Betreten neuer Räume. Schnell entsteht unterbewusst ein Gefühl, das auf Anhieb nicht immer leicht zu beschreiben ist. 

Visual Merchandising  - Erster Eindruck im Laden
Visual Merchandising – Erster Eindruck im Laden – Bild #178807444 © fiphoto – iStock.com

Versuchen Sie herauszufinden, was Ihr Geschäft für einen ersten Eindruck vermittelt. Fragen Sie Freunde, Bekannte, Lieferanten und Ihre Kunden welchen Eindruck sie beim Betreten Ihres Shops haben und bitten Sie sie, diesen zu beschreiben.

Fragen Sie auch gezielt nach dem Eindruck über die Beleuchtung, die Farbstimmung, das Warenbild, die Positionierung Ihrer Kasse und natürlich das Visual Merchandising. Formulieren Sie Ihre Fragen so, dass ein Laie versteht, worauf es Ihnen ankommt und versuchen Sie, die Antworten für sich richtig einzuordnen. 

Wissenschaftlich gesehen bilden wir uns den ersten Eindruck innerhalb der ersten drei bis fünf Sekunden. Auch in diesem kurzen Augenblick kann jedoch viel schief gehen. Meist sind das Kleinigkeiten die das Gesamtbild so stören, dass der Kunde verunsichert ist und sich “gegen” Ihren Laden entscheidet. Das können ganz banale Dinge sein, zum Beispiel Unordnung auf Ihrem Kassentresen, ausgepackte Ware im Verkaufsraum, offen stehende Türen zum Lager oder zum Sozialraum. Aber natürlich auch Störer im Ladenbau und im Visual Merchandising. Dazu zählt eine unangenehme Beleuchtung, Überfüllte Produktständer oder eine unübersichtliche Eingangszone. 

Prüfen Sie:

  • Welche Störer gibt es bei mir im Geschäft und wie kann ich diese dauerhaft beseitigen?
  • Welchen ersten Eindruck möchte ich bei meinen Kunden erzeugen?
  • Hilft mir mein aktuelles Visual Merchandising Konzept dabei, meinen Kunden einen perfekten ersten Eindruck zu vermitteln?

Versuchen Sie, diese Störer zu identifizieren und abzustellen. Probieren Sie, Ihr Store mit der Brille Ihrer Kunden zu sehen. Oft hilft es auch, in fremden Läden darauf zu achten, was Ihnen als störend auffällt und zu prüfen, ob dies auch Störfaktoren im eigenen Laden sein könnten. 

Fazit:

Visual Merchandising ist für Ihr Geschäft ein prägendes Element, das jedoch von permanenter Veränderung lebt. Prüfen Sie daher, ob Ihr aktueller Ladenbau Ihnen genügend Flexibilität und Flächen bietet, um Ihre Produkte schnell genug neuen Trends oder Kollektionen anzupassen.

Schaffen Sie einen logischen Aufbau und ein perfektes Maß zwischen Wandabwicklung, Mittelraum und dekorativen Elementen, die nur indirekt zur Präsentation Ihrer Ware beitragen und mehr auf die Emotionen der Kunden gerichtet sind. Entdecken Sie den Spaß am Visual Merchandising und nutzen Sie Inspirationen aus anderen Geschäften, Ihren Partnern in der Industrie oder Zeitschriften und dem Internet und entwickeln Sie im Bestfall Ihren eigenen Stil, der Ihre Kunden begeistert und in Ihren Laden lockt. 

Philipp Hartmann
Philipp Hartmann
Seine Kenntnisse in den Bereichen Marketing und Vertrieb hat Philipp Hartmann, der an der St. Galler Bussiness School seinen Diplomstudiengang in Marketing und Betriebswirtschaft abgeschlossen hat, vor allem durch die insgesamt über 16 jährige Erfahrung als Marketingleiter und Key Account Manager in der Möbelindustrie und im Ladenbau erworben. Seine Leidenschaft für alle Themen rund um den Retail ist ungebrochen und fasziniert ihn jeden Tag aufs Neue. Für storefitting.com schreibt Philipp Hartmann regelmäßig zu den Themen Ladenbau, Messebau, Retail Marketing und Retail Technology.

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